HBOT bei Long-COVID: Wie HBOT bei Symptomen helfen kann

HBOT bei Long-COVID: Was die hyperbare Sauerstofftherapie bei anhaltenden Symptomen leisten kann

Inhaltsverzeichnis

Hyperbare Sauerstofftherapie bei Long-COVID im Überblick

Die akute Corona-Infektion ist längst überstanden, doch die Erschöpfung bleibt. Millionen Menschen weltweit kennen dieses Bild, das die Medizin heute unter den Begriffen Long-COVID und Post-COVID-Syndrom fasst. Ein verwandtes Beschwerdebild wird seit einiger Zeit auch nach der Corona-Impfung beschrieben und in der Fachliteratur als Post-Vac-Syndrom oder Post-Acute COVID-19 Vaccination Syndrome geführt.¹ Es überschneidet sich in vielen Symptomen mit Long-COVID und dem chronischen Erschöpfungssyndrom ME/CFS und wird an spezialisierten Zentren wie der Berliner Charité erforscht, ist als eigenständige Erkrankung bislang aber nicht offiziell anerkannt. Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, die viele als Brain Fog beschreiben, Kurzatmigkeit und ein Kreislauf, der nach kleinster Anstrengung streikt, prägen den Alltag oft über Monate, bei manchen Betroffenen über Jahre. In der Suche nach Wegen, die Beschwerden zu lindern, rückt seit einigen Jahren ein Verfahren in den Blick, das aus der klinischen Medizin stammt, nämlich die hyperbare Sauerstofftherapie bei Long-COVID.

Dieser Beitrag ordnet ein, was HBOT bei Long-COVID bedeutet, wie eine solche Behandlung abläuft und was der aktuelle Stand der Forschung wirklich hergibt. Er ist bewusst zurückhaltend formuliert, weil das Feld jung ist und seriöse Aussagen den Unterschied zwischen belegtem Wissen und bloßer Hoffnung sauber benennen müssen. Wer selbst betroffen ist oder Angehörige begleitet, findet hier eine erste Orientierung, ersetzt damit aber keine ärztliche Beratung.

Warum Sauerstoff bei Long-COVID überhaupt eine Rolle spielen kann

Um zu verstehen, warum Sauerstoff unter Druck bei Long-COVID untersucht wird, lohnt ein Blick auf die vermuteten Ursachen der Beschwerden. Die Forschung diskutiert mehrere Mechanismen, die sich ergänzen. Dazu zählen eine anhaltende, niederschwellige Entzündung, eine gestörte Funktion der kleinsten Blutgefäße mit feinen Gerinnseln, eine Schwäche der Mitochondrien, also der Kraftwerke unserer Zellen, dazu Veränderungen im Nervensystem. Allen gemeinsam scheint eine schlechtere Sauerstoffversorgung des Gewebes, gerade dort, wo die Durchblutung ohnehin schon leidet.

Das Grundprinzip der hyperbaren Sauerstofftherapie setzt genau hier an, denn in einer Druckkammer atmet der Anwender Sauerstoff bei einem Umgebungsdruck, der über dem normalen Luftdruck liegt. Nach dem Gesetz von Henry löst sich dadurch deutlich mehr Sauerstoff direkt im Blutplasma, was zu einem Sauerstoffüberschuss führt. Dieser frei gelöste Sauerstoff erreicht auch Gewebe, das über die normale Durchblutung schlecht versorgt wird. Der Reiz für den Körper besteht dabei weniger im einzelnen Sauerstoffmolekül als im wiederholten Wechsel der Versorgung über viele Sitzungen hinweg, der bestimmte Anpassungsreaktionen erst in Gang setzt. Zusätzlich beschreibt die Forschung, dass dieser Wechsel zwischen viel und wenig Sauerstoff Reparaturprogramme im Körper anstoßen kann, etwa die Neubildung feiner Blutgefäße.² Ob diese Effekte die Beschwerden bei Long-COVID zuverlässig lindern, ist damit aber noch nicht bewiesen, sondern Gegenstand der aktuellen Studien.

HBOT und Long-COVID: Ablauf und was Sie erwarten können

Ablauf und Dauer einer Behandlung

Eine klinische Behandlung läuft in Serien ab. In den bislang veröffentlichten Studien erhielten die Teilnehmer meist rund 40 Sitzungen an fünf Tagen pro Woche, jede Sitzung dauerte etwa 90 Minuten bei einem Druck von rund 2,0 ATA.³ Diese Angaben beschreiben den klinischen Rahmen der Forschung, in dem die Anwendung ärztlich begleitet stattfindet. Der Ablauf selbst ist unspektakulär und für die meisten Anwender angenehm ruhig, denn nach einer langsamen Druckerhöhung, die sich wie der Start im Flugzeug anfühlt und über Schlucken oder Gähnen den Druck auf den Ohren löst, ruht der Anwender in der Kammer und atmet Sauerstoff ein, bevor der Druck am Ende sanft wieder abgebaut wird.

Welche Effekte in Studien beobachtet wurden

In den vorliegenden Untersuchungen berichteten Teilnehmer nach einer solchen Behandlungsserie über mehr Energie, einen ruhigeren Schlaf und eine geringere Erschöpfung. Auch für Konzentration und Gedächtnis, also für die als Brain Fog bekannten Beschwerden, zeigten sich messbare Verbesserungen, während manche Studien zudem Hinweise auf eine bessere körperliche Belastbarkeit fanden. Wichtig bleibt bei all dem die nüchterne Einordnung, denn diese Beobachtungen stammen aus kontrollierten Studien mit begrenzter Teilnehmerzahl und beschreiben Effekte über ganze Gruppen hinweg, keine Garantie für den einzelnen Menschen. Die hyperbare Sauerstofftherapie bei Erschöpfung nach COVID ist damit ein plausibler und in ersten Studien vielversprechender, aber noch nicht abschließend gesicherter Ansatz.

Realistisch ist auch der Blick auf den zeitlichen Rahmen, denn spürbare Veränderungen zeigten sich in den Studien nicht nach einer einzelnen Sitzung, sondern erst im Verlauf einer mehrwöchigen Serie. Sie fielen zudem von Person zu Person unterschiedlich aus, denn manche Teilnehmer profitierten deutlich, während andere kaum eine Wirkung bemerkten. Wer eine solche Behandlung erwägt, sollte deshalb Geduld mitbringen und die eigenen Erwartungen an dem ausrichten, was die Forschung tatsächlich zeigt, nämlich eine mögliche Linderung einzelner Symptome und keine garantierte Rückkehr zum Zustand vor der Infektion oder Impfung.

Wissenschaftlicher Stand: Was Studien zur Post-COVID-Syndrom-Behandlung zeigen

Zur Behandlung des Post-COVID-Syndroms mit Sauerstoff unter Druck gibt es inzwischen mehrere kontrollierte Studien. Die wichtigste Arbeit zu diesem Thema ist eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie einer israelischen Forschergruppe um Shani Zilberman-Itskovich und Shai Efrati, die 2022 in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschien.³ Dreiundsiebzig Patienten mit anhaltenden Beschwerden erhielten entweder 40 HBOT-Sitzungen oder eine Scheinbehandlung, ohne zu wissen, welcher Gruppe sie angehörten. In der HBOT-Gruppe verbesserten sich kognitive Funktionen, psychische Symptome und Fatigue stärker als in der Kontrollgruppe, begleitet von messbaren Veränderungen der Hirndurchblutung in der Bildgebung. Eine Nachbeobachtung derselben Gruppe deutete darauf hin, dass ein Teil der Effekte auch rund ein Jahr nach Therapieende noch nachweisbar war.⁴

Über diese Einzelstudie hinaus zeichnen weitere Arbeiten ein Bild, das ermutigend, aber uneinheitlich ausfällt. Ein früh viel beachteter Pilotversuch aus Großbritannien beschrieb bereits nach zehn Sitzungen deutliche Verbesserungen bei Fatigue und kognitiver Leistung.⁶ Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersicht wertete zehn klinische Studien aus und kam zu dem Schluss, dass HBOT die Lebensqualität, die Fatigue, kognitive Beschwerden und die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit verbessern kann, mahnte zugleich aber größere und methodisch strengere Studien an.⁵ Ein großes prospektives Register bestätigte 2025 anhaltende Verbesserungen über viele behandelte Personen hinweg.⁷ Dem steht mit der schwedischen HOT-LoCO-Studie ausgerechnet einer der größten unabhängigen und placebokontrollierten Versuche gegenüber, der nach nur zehn Sitzungen keinen signifikanten Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung fand.⁸ Ob dieser Unterschied an der geringeren Sitzungszahl liegt, ist offen. Als Therapie bei Long-COVID steht HBOT damit wissenschaftlich noch am Anfang, mit ermutigenden, aber noch widersprüchlichen Signalen. 

Grenzen der Beweise und wichtige Hinweise

So vielversprechend die Daten wirken, ihre Grenzen gehören klar benannt. Die Teilnehmerzahlen sind bislang klein, ein Teil der Studien wurde von denselben Zentren durchgeführt und Langzeitdaten über mehrere Jahre fehlen. Für eine hyperbare Sauerstofftherapie bei Long-COVID gibt es in Deutschland derzeit keine reguläre medizinische Zulassung für diese Indikation, weshalb sie hier als individueller Heilversuch außerhalb der anerkannten Standardbehandlung einzuordnen ist. Nicht für jeden ist die Methode zudem geeignet, denn bestimmte Lungenerkrankungen, ein unbehandelter Pneumothorax oder akute Atemwegsinfekte gehören vorab ärztlich abgeklärt. Wer eine solche Behandlung erwägt, sollte dies ausschließlich mit einer Fachärztin oder einem Facharzt besprechen, die den individuellen Verlauf kennen.

Die zitierten Studien beschreiben klinische HBOT unter ärztlicher Begleitung und fallen damit in den medizinischen Bereich, in dem eine Krankheit behandelt wird. Davon zu trennen ist die milde Sauerstoffanwendung in nicht-medizinischen Wellnesskammern, die auf Regeneration und Wohlbefinden zielt und ausdrücklich kein Heilversprechen für Krankheiten abgibt. Diese Unterscheidung ist in erster Linie eine rechtliche und organisatorische, die festlegt, was in ärztliche Hände gehört und was nicht.

Kosten, Verfügbarkeit und Zugang zur Sauerstofftherapie bei Erschöpfung nach COVID

Weil HBOT bei Post-COVID in Deutschland keine anerkannte Kassenleistung für diese Indikation ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in aller Regel nicht. Anwender tragen sie meist selbst, wobei sich die Ausgaben über eine ganze Serie summieren, da eine einzelne Sitzung wenig aussagt und die Studienprotokolle mit zahlreichen Sitzungen arbeiten. Vor dem Start lohnt deshalb eine schriftliche Kostenaufstellung des Anbieters sowie, bei privater Versicherung, eine vorherige Anfrage, ob und in welchem Umfang ein Zuschuss möglich ist.

Für die Suche nach einer seriösen Anlaufstelle helfen ein paar nüchterne Kriterien. Sinnvoll ist eine Einrichtung mit ärztlicher Begleitung, transparenter Aufklärung über den noch offenen Forschungsstand und einer ehrlichen Erwartungshaltung ohne Heilversprechen. Auch eine ärztliche Voruntersuchung, die die Eignung klärt und mögliche Risiken abwägt, gehört zu einem seriösen Ablauf und sollte vor der ersten Sitzung stehen. Wer sich darüber hinaus für die technischen Unterschiede zwischen den Kammertypen interessiert, findet dazu eine Übersicht in unseren Blogs.

Fazit: Sauerstoffkammer als möglicher Baustein bei Long-COVID-Folgen

Die hyperbare Sauerstofftherapie, also die HBOT bei Long-COVID, gehört zu den wenigen Ansätzen, für die es überhaupt kontrollierte Studiendaten gibt und diese Daten fallen vorsichtig ermutigend aus. Verbesserungen bei Erschöpfung, Konzentration und Wohlbefinden wurden in mehreren Untersuchungen beobachtet, doch die Evidenz ist jung, die Studien sind klein und eine Sauerstoffkammer bei COVID-Folgen ist kein gesichertes Heilmittel, sondern ein Feld in aktiver Erforschung. Für Betroffene bedeutet das, informierte Neugier mit realistischen Erwartungen zu verbinden. Wer die Methode erwägt, trifft die Entscheidung am besten gemeinsam mit den behandelnden Ärzten, die den eigenen Verlauf einschätzen können.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Ob eine hyperbare Sauerstofftherapie im Einzelfall sinnvoll und geeignet ist, klären Betroffene bitte vorab mit einer Fachärztin oder einem Facharzt.

Quellen: 1. „Clinical and Diagnostic Features of Post-Acute COVID-19 Vaccination Syndrome (PACVS).“ Vaccines, 12(7):790 (2024). 2. „Hyperbaric oxygen effectively addresses the pathophysiology of long COVID: clinical review.“ Frontiers in Medicine, 11:1354088 (2024). 3. Zilberman-Itskovich S, Catalogna M, Sasson E et al. (2022). „Hyperbaric oxygen therapy improves neurocognitive functions and symptoms of post-COVID condition: randomized controlled trial.“ Scientific Reports, 12:11252. 4. Hadanny A, Zilberman-Itskovich S, Catalogna M et al. (2024). „Long term outcomes of hyperbaric oxygen therapy in post covid condition: longitudinal follow-up of a randomized controlled trial.“ Scientific Reports, 14:3604. 5. Nayak G et al. (2024). „Effects of Hyperbaric Oxygen Therapy on Long COVID: A Systematic Review.“ Life, 14(4):438. 6. Robbins T et al. (2021). „Hyperbaric oxygen therapy for the treatment of long COVID: early evaluation of a highly promising intervention.“ Clinical Medicine, 21(6):e629–e632. 7. „Hyperbaric oxygen therapy for long COVID: a prospective registry.“ Scientific Reports (2025). 8. Kjellberg A et al. (2025). „Ten sessions of hyperbaric oxygen versus sham treatment in patients with long COVID (HOT-LoCO): a randomised, placebo-controlled, double-blind, phase II trial.“

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Alle beschriebenen physiologischen Prozesse, wissenschaftlichen Studien oder Anwendungsbeispiele beziehen sich auf die allgemeine Forschung im Bereich der Sauerstoffanwendung und nicht auf die von der EverWell GmbH vertriebenen Produkte.
 
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