Noch nie haben so viele Menschen in Deutschland in Fitness- und Gesundheitsanlagen trainiert. Zum Jahresende 2025 zählte die Branche 12,36 Millionen Mitglieder in 9.647 Anlagen, beides Rekordwerte.¹ Die Kehrseite dieses Wachstums spüren viele Betreiber täglich, denn mit jeder neuen Anlage wird der Wettbewerb um dieselben Mitglieder härter. Um nicht in den Preiskampf zu geraten und sich nicht nur über Preise, Geräte und Kurse abzugrenzen, gehen Betreiber heute neue Wege, erfinden ihr Studio neu und schaffen sich neue USPs. Welche Rolle dabei eine Sauerstoffkammer im Fitnessstudio spielen kann, zeigt ein Blick auf die Angebote, mit denen sich Studios heute abheben.
Um sich von der Masse abzuheben, arbeiten viele Studios beispielsweise mit gestaffelten Tarifen, bei denen zur Basismitgliedschaft ein Premium-Tarif kommt, der den Zugang zu einem eigenen Bereich mit Sauna, Schwimmbad oder Eisbad öffnet. Andere Leistungen laufen seit jeher extra, früher das Solarium, heute vor allem Personal Training. Solche Maßnahmen verfolgen das Ziel, das eigene Studio von der Konkurrenz abzugrenzen und Umsatz über den Grundbeitrag hinaus zu erzielen. Wer solche Zusatzangebote im Fitnessstudio geschickt verknüpft, schafft Möglichkeiten zur Kundengewinnung, für Upgrades und Cross-Selling, die es beim Discounter um die Ecke nicht gibt.
Die hyperbare Sauerstoffanwendung ist in dieser Reihe die jüngste Erscheinung. Im Profisport gehört sie vielerorts bereits zur Regeneration, in deutschen Fitnessstudios stehen bislang nur wenige Kammern. Für Premium-Studios liegt darin eine Chance, denn Discounter mit Monatsbeiträgen um 20 bis 30 Euro werden sich kaum eine Druckkammer ins Studio stellen. Wo Mitglieder dagegen für eine gehobene Betreuung und Qualität bezahlen, kann eine Sauerstoffkammer im Fitnessstudio zu einem Angebot werden, das in der eigenen Stadt oft noch niemand hat. Wie sich die Sauerstofftherapie als Angebot in der Fitnessbranche wirtschaftlich integrieren lässt und worauf es bei der Umsetzung ankommt, zeigt dieser Beitrag.
Was eine Sauerstoffkammer im Fitnesskontext leistet
Eine Sauerstoffkammer, fachlich hyperbare Sauerstoffkammer, ist ein geschlossener Druckkörper, in dem ein moderater Überdruck aufgebaut wird. Im Wellness- und Fitnessbereich spricht man von milder Anwendung, der Überdruck bleibt dort unter 0,5 bar. Der Anwender atmet währenddessen über eine Atemschnittstelle konzentrierten Sauerstoff. Die Bauformen reichen von liegenden Einzelplatzkammern bis zu begehbaren Kammern, in denen mehrere Personen gleichzeitig sitzen.
Nach dem Gesetz von Henry löst sich unter erhöhtem Druck, unabhängig von der Anzahl der roten Blutkörperchen, mehr Sauerstoff direkt im Blutplasma. Dieser zusätzlich gelöste Anteil erreicht auch Gewebe, das nach intensiver Belastung stark beansprucht ist. Beanspruchte Muskeln brauchen für ihre Regeneration Sauerstoff. Das ist der Grund, warum HBOT im Profisport bereits so verbreitet zur Regeneration genutzt wird.
Eine Meta-Analyse von 2026 mit zehn randomisierten Studien und knapp 300 Teilnehmern fand eine deutlich schnellere Erholung nach belastungsbedingten Muskelschäden, beim klassischen Muskelkater dagegen keinen signifikanten Effekt.² Für Studios lohnt vor allem der Blick auf Arbeiten mit niedrigem Druck, wie er auch bei milden Kammern üblich ist. In einer Studie mit trainierten Radfahrern verbrachten die Teilnehmer nach einer ermüdenden Belastung 75 Minuten bei 1,3 ATA und hohem Sauerstoffanteil. Im anschließenden fünfminütigen Leistungstest traten sie im Schnitt sieben Watt mehr als nach passiver Erholung, ihre Herzfrequenzvariabilität sprach für eine schnellere Rückkehr in den Ruhemodus und am Folgetag fühlten sie sich erholter.³ Bei jungen Amateurfußballern lagen Blutlaktat und Herzfrequenz eine halbe Stunde nach der Belastung niedriger, wenn sie direkt danach 30 Minuten bei 1,3 ATA in der Kammer verbracht hatten.⁴
Interessant wird es, wenn in der Kammer trainiert wird oder sich die Sitzungen über Wochen wiederholen. Zwölf junge Fußballspieler, die drei Wochen lang zusätzlich 15 Einheiten auf dem Ergometer in der Kammer absolvierten, steigerten ihre maximale Sauerstoffaufnahme und ihre Spitzenleistung.⁵ Bei Freizeitathleten zwischen 40 und 50 Jahren stieg die maximale Sauerstoffaufnahme nach 40 passiven Sitzungen im Vergleich zu einer Scheinbehandlung, begleitet von messbaren Veränderungen der Mitochondrien.⁶ Beide Studien liefen bei 2,0 ATA und damit mit mehr Druck als im Studio üblich, sie zeigen aber, wohin die Entwicklung geht. Begehbare Kammern mit Rudergerät oder Ergometer verbinden Bewegung und Druck, denn Bewegung öffnet in der Muskulatur Kapillaren, die in Ruhe kaum durchströmt sind.⁷ Für Studios, die ihr Angebot konsequent weiterdenken, ist diese Form der Gym-Erweiterung mit HBOT daher ein spannender nächster Schritt.
Vorteile einer Druckkammer für das Fitnessstudio
Auf der einen Seite wollen sich Betreiber heutzutage abgrenzen, auf der anderen Seite müssen neue Dienstleistungen und Produkte wie die Sauerstoffkammer im Fitnessstudio auch wirtschaftlich sein. Eine Druckkammer schafft einen Grund, auch an trainingsfreien Tagen ins Studio zu kommen. Wer seine Regeneration dort plant, wo er trainiert, verbringt mehr Zeit im Studio und bindet sich enger an das Angebot.
Gleichzeitig hebt die Kammer den Umsatz pro Mitglied. Rechnerisch bringt ein Mitglied der Branche im Schnitt gut 40 Euro im Monat,¹ eine einzelne hyperbare Sitzung liegt am Markt oft beim Zwei- bis Dreifachen davon. Die Kammer lässt sich als Einzelsitzung, als Zehnerkarte oder als Bestandteil einer Premium-Mitgliedschaft anbieten. Hinzu kommt das Cross-Selling mit dem, was viele Studios schon haben. Personal Trainer planen Sitzungen in ihre Trainingspläne ein, nach intensiven Kursformaten bietet sich die Kammer als Abschluss an. Mit Sauna und Eisbad ergibt sie ein Recovery-Paket, das den Premium-Tarif aufwertet oder sich als Zusatzangebot im Fitnessstudio separat verkaufen lässt.
Dazu kommt das Image, denn eine Sauerstoffkammer positioniert das Studio als modernes, ganzheitliches Gesundheitsangebot. In den USA ist diese Entwicklung schon weiter, dort werden Studios zunehmend zu Community-Orten, an denen Mitglieder trainieren, regenerieren, ihre Freizeit verbringen und Freunde treffen. Eine Sauerstoffkammer passt in dieses Bild besser als jedes weitere Trainingsgerät und beim Probetraining bleibt sie Interessenten eher im Gedächtnis als das zehnte Laufband.
HBOT im Fitnessstudio: das Zusatzangebot wirtschaftlich betrachtet
Ob eine Sauerstoffkammer als Umsatzquelle funktioniert, hängt am Sitzungspreis, an der Zahl der Plätze und an der Auslastung. Für HBOT im Fitnessstudio orientieren sich viele Betreiber an den Preisen spezialisierter Anbieter, bei denen Einzelsitzungen je nach Paket und Standort häufig zwischen etwa 90 und 150 Euro liegen.⁸ Für Mitglieder lassen sich eigene Konditionen gestalten, etwa über Kontingente in der Premium-Mitgliedschaft.
Wie viel eine Sauerstoffkammer als Umsatzquelle leisten kann, zeigt eine bewusst vorsichtige Beispielrechnung. Schon zwei Sitzungen am Tag mit jeweils einer Person ergeben an 25 Tagen im Monat 50 Anwendungen. Bei einem durchschnittlichen Erlös von 90 Euro sind das 4.500 Euro im Monat oder 54.000 Euro im Jahr. Nutzen zwei Mitglieder eine Sitzung gemeinsam, verdoppelt sich dieser Wert. Dem gegenüber stehen Anschaffung und operative Kosten, also Strom, Verbrauchsmaterial und Wartung. Mehrplatzkammern haben dabei einen strukturellen Vorteil, denn eine Bedienperson betreut im besten Fall gleich mehrere Anwender.
Bei der Investition fällt vor allem der Kaufpreis ins Gewicht. Die laufenden Kosten sind im Vergleich gering, Strom und Verbrauchsmaterial spielen kaum eine Rolle, einplanen sollte man vor allem die jährliche Wartung. Hinzu kommen einmalig die Vorbereitung des Aufstellraums und die Schulung des Teams. Ob sich die Kammer trägt, hängt deshalb weniger an den Betriebskosten als an der Zahl verkaufter Sitzungen. Deshalb sollte das Team am Empfang und im Probetraining aktiv auf die Kammer hinweisen, weshalb alle Mitarbeiter das Produkt testen und geschult sein sollten.
Langfristig wirkt HBOT im Fitnessstudio über den direkten Umsatz hinaus. Eine gut ausgelastete Kammer kann die Abwanderung senken, stärkt die Premium-Positionierung und öffnet das Studio für Zielgruppen, die bisher nicht zum Kernpublikum gehörten, etwa für Berufstätige mit Interesse an Longevity oder für Sportler aus Vereinen der Umgebung.
Voraussetzungen für die Gym-Erweiterung mit HBOT
Wer eine Druckkammer im Fitnessstudio integrieren will, klärt einige Punkte besser vor der Anschaffung als danach. Bei der Gym-Erweiterung mit HBOT geht es dabei um die Technik, vor allem aber um den rechtlichen Rahmen und den sicheren Betrieb.
Rechtliche Aspekte
Eine Sauerstoffkammer für die Wellness- und Fitnessanwendung ist kein Medizinprodukt, solange weder Hersteller noch Betreiber ihr eine medizinische Zweckbestimmung geben. Die häufigste Falle liegt deshalb in der Kommunikation. Aussagen über die Linderung von Beschwerden oder die Behandlung von Krankheiten fallen unter das Heilmittelwerbegesetz, auch dann, wenn sie im Konjunktiv formuliert sind.⁹ Flyer, Website und Beratung am Empfang bleiben deshalb bei Regeneration, Wohlbefinden und Erholung.
Ein zweiter Punkt betrifft die Sauerstoffquelle, denn das Europäische Arzneibuch beschreibt Sauerstoff aus Konzentratoren mit einem Gehalt von 96 Prozent als Arzneimittel.¹⁰ Wer gewerblich Gas in diesem Bereich erzeugt, braucht dafür eine Herstellungserlaubnis.¹¹ Vor dem Kauf sollten deshalb die EU-Konformitätserklärung des Konzentrators und seine tatsächliche Ausgangskonzentration geprüft werden. Aufsichtsbehörden können entsprechende Nachweise im laufenden Betrieb verlangen, weshalb die Dokumentation von Anfang an vollständig sein sollte.
Hygiene und Sicherheit
Wer eine Druckkammer ins Fitnessstudio integriert, hat es mit vielen wechselnden Anwendern zu tun, entsprechend hoch ist der Anspruch an die Hygiene. Masken oder Nasenbrillen sind personengebunden oder werden nach jeder Sitzung getauscht und Sitzflächen, Polster und Griffe werden regelmäßig gereinigt. Ein fester Reinigungsplan gehört deshalb zur Planung der Belegung.
Über die Sicherheit bestimmen vor allem die Bauweise und die Belüftung der Kammer. Die Anwender erzeugen Kohlendioxid in der Kammer, über die Atemschnittstelle gelangt außerdem Sauerstoff hinein. Zu viel Sauerstoff macht Materialien leichter entzündlich, zu viel Kohlendioxid führt zu Kopfschmerz und Müdigkeit. Wer in der Kammer trainiert, atmet sogar ein Vielfaches an Kohlendioxid aus. Eine leistungsfähige Belüftung und die fortlaufende Messung beider Werte gehören deshalb zu den wichtigsten Kaufkriterien. Organisatorisch braucht es ein eingewiesenes Team, denn während jeder Sitzung bleibt eine Bedienperson in Sicht- und Hörweite der Kammer..
Fazit: Sauerstoffkammer als Umsatzquelle für Fitnessstudios
Fitnessstudios müssen sich heute über mehr abheben als über Geräte und Preise. Eine Sauerstoffkammer im Fitnessstudio schafft diesen Unterschied, vor allem in Premium-Studios, deren Mitglieder bereit sind, für Qualität zu bezahlen. Selbst mit vorsichtiger Planung rechnet sie sich, der größere Gewinn liegt aber im Profil des Studios. In Deutschland ist die Sauerstofftherapie als Angebot in der Fitnessbranche noch selten. Wer jetzt einsteigt, ist in seiner Stadt oft der Erste. Voraussetzung ist ein rechtlich sauberer Betrieb und Werbung ohne Heilversprechen.
EverWell begleitet Studios auf diesem Weg, von der ersten Begehung über die Auswahl der Kammer und die Planung des Raums bis zur Schulung des Teams und dem Service danach, mit einem festen Ansprechpartner in Deutschland. Wie weit sich das denken lässt, zeigt das Hyperbaric Gym bei MedicBite in Köln, in dem unter Druck trainiert wird. Wer über eine Kammer für das eigene Studio nachdenkt, erreicht uns unter info@ever-well.de oder über dem Kontaktformular.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder medizinische Beratung. Die Beispielrechnung ist vereinfacht, tatsächliche Erlöse hängen von Standort, Preisgestaltung und Auslastung ab.
Quellen: 1. DSSV, Deloitte, DHfPG (2026). „Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026.“ https://www.dssv.de/eckdaten-2026/ 2. Luo X, Yu Y, Zhang S, Qi F (2026). „Effects of Hyperbaric Oxygen Therapy on Exercise-Induced Muscle Injury and Soreness: A Systematic Review and Meta-analysis.“ Archives of Physical Medicine and Rehabilitation 107(3):522-532. https://doi.org/10.1016/j.apmr.2025.07.017 3. Mihailovic T, Bouzigon R, Bouillod A, Grevillot J, Ravier G (2023). „Post-Exercise Hyperbaric Oxygenation Improves Recovery for Subsequent Performance.“ Research Quarterly for Exercise and Sport 94(2):427-434. https://doi.org/10.1080/02701367.2021.2002797 4. Park SH, Park SJ, Shin MS, Kim CK (2018). „The effects of low-pressure hyperbaric oxygen treatment before and after maximal exercise on lactate concentration, heart rate recovery, and antioxidant capacity.“ Journal of Exercise Rehabilitation 14(6):980-984. https://doi.org/10.12965/jer.1836468.234 5. Burgos C, Henríquez-Olguín C, Andrade DC et al. (2016). „Effects of Exercise Training under Hyperbaric Oxygen on Oxidative Stress Markers and Endurance Performance in Young Soccer Players.“ Journal of Nutrition and Metabolism 2016:5647407. https://doi.org/10.1155/2016/5647407 6. Hadanny A, Hachmo Y, Rozali D et al. (2022). „Effects of Hyperbaric Oxygen Therapy on Mitochondrial Respiration and Physical Performance in Middle-Aged Athletes.“ Sports Medicine Open 8:22. https://doi.org/10.1186/s40798-021-00403-w 7. Korthuis RJ. „Skeletal Muscle Circulation“, Kapitel „Exercise Hyperemia and Regulation of Tissue Oxygenation During Muscular Activity“. NCBI Bookshelf. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK57139/ 8. Eigene Auswertung öffentlich einsehbarer Preislisten von Anbietern milder hyperbarer Sauerstoffanwendungen in Deutschland, Stand September 2026. 9. Heilmittelwerbegesetz (HWG), §§ 3 und 11. https://www.gesetze-im-internet.de/heilmwerbg/ 10. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie 2455 „Oxygen (93 per cent)“, Gehalt 90,0 bis 96,0 Prozent. 11. Arzneimittelgesetz (AMG), § 13 Absatz 1, Erlaubnis zur Herstellung von Arzneimitteln. https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__13.html